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In Logistik investieren: auf das Rückgrat des Welthandels setzen

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Das Wichtigste

Stellen Sie sich einen Tag ohne Logistik vor. Morgens kämen weder Zeitung noch Brötchen, mittags stünde die Produktion ohne Teile still, abends bliebe das bestellte Paket aus. Die ganze moderne Wirtschaft ruht auf einer stillen Armee aus Lieferwagen, Lkw, Containerschiffen und Sortierzentren. Und weil sie das Rückgrat von allem ist, reizt Anleger der Gedanke, eine Wette auf die Logistik sei eine Wette auf den Lauf der Welt selbst.

Dieser Gedanke ist verführerisch. Und halb wahr. Gehen wir die andere Hälfte durch, die in begeisterten Erzählungen meist fehlt.

Was als Logistik zur Geldanlage zählt

Logistik ist weder eine Firma noch ein einziges Geschäft. Sie ist eine ganze Kette, in der auf verschiedenen Ebenen Geld verdient wird, und jede verhält sich anders.

Warum es Anleger reizt

Drei Gründe. Erstens Unverzichtbarkeit — Waren müssen sich bewegen, was auch geschieht. Zweitens ein langer Rückenwind durch den E-Commerce: Je mehr wir online kaufen, desto mehr Pakete muss jemand zustellen. Drittens der Netzwerkeffekt bei den Großen: Ein konkurrierendes landesweites Liefernetz aufzubauen kostet Milliarden und Jahre, was die etablierten Firmen schützt.

Hinzu kommt, dass manche dieser Firmen eine ordentliche Dividende zahlen. Besonders UPS ist bei Einkommensanlegern wegen der höheren Dividendenrendite beliebt.

Achtung Dividendenfalle. Eine hohe Dividendenrendite bei einer zyklischen Firma kann eine Warnung sein, kein Geschenk. Fallen die Gewinne, kann die Dividende gekürzt werden und der Kurs mit ihr. Ein hoher Prozentsatz ist kein Qualitätsbeweis — siehe, wie wir das bei Dividendenaristokraten betrachten.

Die Zyklik, die die Nerven prüft

Hier ist die verschwiegene Hälfte der Wahrheit. Logistik ist eine der zyklischsten Ecken des Marktes. Der Pandemie-Boom zeigte es eindrücklich: 2021 und 2022 schossen die Seefrachtraten auf ein Vielfaches, Reedereien verbuchten Rekordgewinne, ihre Aktien und Dividenden glänzten. Und dann? 2023 fielen die Raten fast so schnell, wie sie gestiegen waren, und die Gewinne brachen um zweistellige Prozentsätze ein.

Das ist keine Ausnahme, das ist das Wesen des Sektors. Logistik spiegelt die Wirtschaft und verstärkt ihre Schwankungen. Steigt die Nachfrage, reicht die Kapazität nicht und die Preise fliegen hoch. Fällt sie, stehen teure Schiffe und Lkw leer und die Preise brechen ein. Dazu die Empfindlichkeit gegenüber Spritpreisen, Fahrerlöhnen und Streiks. Wer in den Sektor einsteigt, kauft eine größere Dosis Schwankung, als der breite Markt trägt.

Die verborgene Ebene: Lager und die Schaufeln und Spitzhacken der Logistik

Eine Ebene wird fast immer vergessen — Logistikimmobilien. Firmen wie Prologis besitzen riesige Distributionszentren an der Autobahn und vermieten sie. Das ist ein viel ruhigeres Geschäft als der Transport selbst: Mietverträge laufen über Jahre, egal ob die Containerpreise gerade steigen oder fallen. Und der Rückenwind ist derselbe — je mehr wir online kaufen, desto mehr Lager nahe den Städten braucht es, damit Waren am Tag nach der Bestellung ankommen. Man könnte diese Ebene die Schaufeln und Spitzhacken der Logistik nennen: Sie wettet nicht darauf, welcher Spediteur gewinnt, sondern nur darauf, dass Waren irgendwo gelagert und umgeschlagen werden müssen. Für Anleger, die die Logistik-These reizt, aber die Achterbahn der Reedereien schreckt, sind Logistikimmobilien über REITs ein ruhigerer Weg. Doch zwei Realitäten gelten auch hier: In vielen Ländern versteuern Sie REIT-Dividenden jährlich, und Immobilienwerte reagieren auf Zinsen — steigen die Zinsen, fallen die Lagerbewertungen meist.

Wie viel ins Portfolio

Sagen wir es in Zahlen, beispielhaft. Ist ein breiter Weltindex Ihr Kern, halten Sie Logistik darin automatisch in vernünftiger Gewichtung — UPS, Deutsche Post und Maersk sind alle drin, nur verdünnt unter Tausenden anderer Firmen. Das ist völlig in Ordnung und für die meisten genug. Wollen Sie den Sektor zusätzlich übergewichten, überschreiten besonnene Anleger bei einer einzelnen zyklischen Wette selten ein paar Prozent des Portfolios. Der Grund ist ebenso psychologisch wie mathematisch: Um von der Zyklik zu profitieren, müssen Sie sie aushalten, und das gelingt mit einer kleinen Position leichter, die Sie am Tiefpunkt nicht panisch verkaufen. Es hilft auch, schrittweise zu kaufen, per Kostenmittelung, statt alles auf einmal am Höhepunkt der Begeisterung.

Wie man vernünftig einsteigt

Einzelne Transportaktien zu picken heißt zu raten, wo wir im Zyklus stehen, und das ist ein Vollzeitjob. Für einen normalen Anleger sind zwei Wege sinnvoller. Entweder ein breiter Transport- oder Industrie-ETF, der einen Korb über den Sektor hält, sodass das Straucheln einer Firma nicht entscheidet. Oder sich einzugestehen, dass man diese Firmen über einen breiten Weltindex ohnehin weitgehend besitzt, und den Sektor in Ruhe zu lassen.

Wer die Logistik bewusst übergewichtet, sollte es mit Blick auf den Zyklus tun, nicht weil eine Firma gerade Rekordzahlen meldet — das ist meist der gefährlichste Moment. Das Rückgrat des Welthandels ist ein großartiges Geschäft zum Verstehen, aber eine heikle Aktie zum Timen. Nichts davon ist eine Anlageempfehlung, nur eine Geländekarte, damit Sie nicht blind hineinlaufen.

Häufige Fragen

Ist eine Investition in Logistik sicher, weil sie so wichtig ist?

Die Nachfrage nach Transport ist konstant, die Firmengewinne nicht. Der Sektor gehört zu den zyklischsten am Markt — im Boom Rekordgewinne, im Abschwung ein Einbruch um zweistellige Prozentsätze. Unverzichtbar zu sein bedeutet keine stabile Rendite.

Warum lockt gerade UPS Dividendenanleger?

UPS zahlt seit Langem eine höhere Dividendenrendite als der Markt, was Einkommensanleger anzieht. Aber Vorsicht: Bei einer zyklischen Firma ist eine hohe Rendite auch ein Risiko — fallen die Gewinne, kann die Dividende gekürzt werden.

Soll ich einzelne Transportaktien oder einen ETF kaufen?

Für die meisten ist ein breiter Transport- oder Industrie-ETF sauberer, oder schlicht ein breiter Weltindex, in dem Sie diese Firmen bereits halten. Einzelaktien zu picken erfordert das Timing des Zyklus — ein Job für Profis.