Portfolio
All-World oder S&P 500? Ein ETF für das gesamte Portfolio
Das Wichtigste
- Ein All-World-ETF (z. B. VWCE) hält ~3.700 Unternehmen aus 23+ Ländern; der S&P 500 nur 500 US-Firmen.
- Auch im globalen Index machen die USA rund 60–65 % aus — „global" bedeutet nicht „ohne Amerika".
- Ein einziger breiter ETF reicht als komplettes Portfolio-Kern; das Länder-Rebalancing erfolgt automatisch im Fonds.
- Der S&P 500 hat historisch mehr erwirtschaftet, ist aber konzentrierter und setzt auf die anhaltende US-Dominanz.
- Die Wahl ist eine Frage von Risiko und Überzeugung, nicht von „richtig oder falsch" — beide sind günstig und in der Acc-Variante steuereffizient.
Das ist vielleicht die häufigste Frage angehender Anlegerinnen und Anleger: Soll ich die ganze Welt kaufen oder nur Amerika? Beide Wege sind legitim und basieren auf einem einzigen günstigen ETF. Schauen wir sie uns nebeneinander an.
Was ist was
Ein weltweiter ETF (wie Vanguard FTSE All-World — VWCE oder Invesco FTSE All-World — FWRG) bildet einen Index von rund 3.700 Unternehmen aus 23 Industrieländern und Dutzenden Schwellenländern ab. Mit einem einzigen Kauf besitzen Sie einen Anteil an nahezu der gesamten Weltwirtschaft.
Der S&P 500 (z. B. CSPX) enthält die 500 größten US-Unternehmen. Er ist der meistbeachtete Aktienindex der Welt und war jahrzehntelang der Motor der globalen Renditen.
Der Mythos „global = ohne USA"
Ein wichtiges Detail, das viele übersehen: Auch im globalen Index haben die USA ein Gewicht von rund 60–65 %, weil der Index nach Marktkapitalisierung gewichtet. Wer All-World kauft, kauft zu einem großen Teil noch immer Apple, Microsoft und Nvidia — ergänzt lediglich um Europa, Japan, Korea und Schwellenländer. Der Unterschied zum reinen S&P 500 ist also nicht „Welt vs. USA", sondern „USA + Rest der Welt vs. nur USA".
Diversifikation vs. Konzentration
All-World ist breiter diversifiziert: Wenn der US-Markt langfristig hinterherhinkt (wie in manchen vergangenen Jahrzehnten), gleicht der Rest der Welt einen Teil aus. Der Preis dafür: Langsamere Regionen bremsen Sie, wenn die USA boomen.
Der S&P 500 ist dagegen eine konzentrierte Wette auf die anhaltende Dominanz der US-Wirtschaft und ihrer Tech-Giganten. Historisch höhere Renditen, aber auch höhere Abhängigkeit von einem Markt und einer Handvoll Unternehmen an der Indexspitze.
Wann macht was Sinn
- Sie wünschen maximale Einfachheit und Ruhe → ein All-World-ETF als kompletter Kern. „Kaufen und vergessen."
- Sie glauben an die langfristige US-Überlegenheit und vertragen höhere Schwankungen → S&P 500, ggf. durch Satelliten ergänzt.
- Sie möchten sich nicht festlegen → Kombination: Hauptteil in All-World, kleinerer Satellit in S&P 500 oder NASDAQ für extra Wachstum.
Was immer Sie wählen: Entscheidend ist, beim Plan zu bleiben und regelmäßig zu investieren. Wie sich verschiedene Zusammensetzungen im Zeitverlauf entwickeln, zeigt der Wachstumsrechner; konkrete Fonds finden Sie in der ETF-Übersicht.
Häufige Fragen
Reicht ein einziger All-World-ETF als komplettes Portfolio?
Ja. Ein globaler ETF hält Tausende Unternehmen aus aller Welt und ist ein vollwertiger, diversifizierter Kern. Mehr Fonds bedeuten nicht automatisch bessere Diversifikation.
Wie hoch ist der USA-Anteil im globalen Index?
Rund 60–65 %, weil der Index nach Marktkapitalisierung gewichtet und US-Unternehmen die größten sind. Ein globaler Index ist daher keine Wette gegen die USA.
Was hat mehr erwirtschaftet — S&P 500 oder All-World?
Historisch meist der S&P 500, allerdings bei höherer Konzentration und Abhängigkeit vom US-Markt. Vergangene Renditen garantieren keine zukünftigen.
Kann ich beide kombinieren?
Ja, das ist durchaus üblich: der Großteil in All-World als Kern und ein kleinerer Satellit in S&P 500 oder NASDAQ für höheres Wachstumspotenzial.