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Anleihen und Zinsen: Warum sich Preise entgegengesetzt bewegen
Das Wichtigste
- Anleihekurs und Rendite bewegen sich immer in entgegengesetzte Richtungen — das ist eine mathematische Gesetzmäßigkeit, kein Zufall.
- Je länger die Laufzeit, desto empfindlicher reagiert eine Anleihe auf Zinsänderungen (höhere Duration).
- In einem Umfeld steigender Zinsen bieten kurzfristige Anleihen besseren Schutz als langfristige.
- Anleihen im Portfolio dämpfen die Aktienvolatilität — ihr Mehrwert liegt nicht nur im Kupon.
- Anleger sollten die Duration ihres Anleihe-ETFs verstehen, nicht nur seine Rendite.
Anleihekurs und Rendite bewegen sich immer in entgegengesetzte Richtungen — das ist eine fundamentale mathematische Gesetzmäßigkeit, keine Marktanomalie. Das Verständnis dieser Beziehung ist der Schlüssel zu jeder Strategie, die Anleihen einschließt.
Warum Kurse fallen, wenn Zinsen steigen
Stellen Sie sich eine Anleihe vor, die einen festen Kupon zahlt. Wenn die Zentralbank die Zinsen erhöht, können Neukäufer neue Anleihen mit einem höheren Kupon erwerben. Ihre alte Anleihe mit dem niedrigeren Kupon ist plötzlich weniger attraktiv — ihr Kurs muss fallen, damit ihre effektive Rendite den neuen Marktzinsen entspricht. Der Kurs passt sich so an, dass die Rendite bis zur Fälligkeit immer marktkonkurrenzfähig ist.
Was Duration ist und warum sie wichtig ist
Die Duration gibt die durchschnittliche Zeit an, in der eine Anleihe das investierte Geld durch Kupons und Tilgung zurückgibt. Je länger, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen. Kurzläufer (1–3 Jahre) haben eine geringe Duration und sind im Umfeld steigender Zinsen daher defensiver.
Die inverse Zinskurve
Normalerweise sind langfristige Renditen höher als kurzfristige — der Markt kompensiert das längere Risiko. Wenn sich die Kurve umkehrt (kurzfristige Renditen übersteigen langfristige), spricht man von einer inversen Zinskurve. Historisch war dies häufig ein Vorbote wirtschaftlicher Abschwünge.
Praktische Konsequenzen für Anleger
- Prüfen Sie die Duration Ihres Anleihe-ETFs im Prospekt oder auf der Website des Anbieters.
- Kurzlaufende Anleihen eignen sich als Stabilisator in einem unsicheren Zinsumfeld.
- Anleihen dienen nicht primär der Rendite — in Kombination mit Aktien reduzieren sie die Gesamtvolatilität des Portfolios.
Wenn Sie gerade die Grundlagen des Portfolios aufbauen, lesen Sie Wie Sie Ihr erstes Portfolio zusammenstellen oder sehen Sie sich den Vergleich All World vs. S&P 500 an.
Häufige Fragen
Warum fallen Anleihekurse, wenn die Zinsen steigen?
Bestehende Anleihen mit niedrigerem Kupon werden neben neuen, die einen höheren Kupon bieten, unattraktiver. Damit die alte Anleihe wettbewerbsfähig bleibt, fällt ihr Kurs. Die Rendite bis zur Fälligkeit „passt sich" so dem Markt an.
Was ist die Duration einer Anleihe?
Die Duration gibt die Zinssensitivität des Anleihekurses an. Eine Anleihe mit einer Duration von 7 Jahren verliert etwa 7 % ihres Wertes, wenn die Zinsen um 1 Prozentpunkt steigen. Kürzere Duration bedeutet geringere Sensitivität.
Ergeben Anleihen in meinem Portfolio Sinn?
Das hängt von Ihrem Ziel und Zeithorizont ab. Anleihen reduzieren primär die Gesamtvolatilität des Portfolios und fungieren als Gegengewicht zu Aktien. Bei einem Anlagehorizont von 20+ Jahren kann ihre Gewichtung gering sein — aber nicht null.