Psychologie a chování
Anchoring (Verankerung): Wie die erste Zahl, die Sie sehen, jede Entscheidung beeinflusst
Das Wichtigste
- Anchoring ist ein kognitiver Bias, bei dem die erste Zahl (der Anker) unsere Schätzungen und Entscheidungen unverhältnismäßig beeinflusst.
- Der häufigste Anker beim Investieren ist der Kaufkurs oder ein historisches Hoch — beides ist für zukünftige Entscheidungen irrelevant.
- "Rabatte" im Laden und am Markt nutzen Anchoring bewusst aus.
- Die richtige Frage ist immer: „Ist dieser Vermögenswert zum aktuellen Preis attraktiv?" — nicht „Ist er günstiger als zuvor?"
- Regelbasierte Entscheidungsfindung und Fundamentaldaten schützen vor dem Einfluss von Anchoring.
Anchoring (Verankerung) ist ein kognitiver Bias, bei dem die erste Zahl, die wir in einer bestimmten Situation wahrnehmen, unsere Schätzungen und Entscheidungen unverhältnismäßig beeinflusst — selbst wenn diese Zahl völlig zufällig oder irrelevant ist.
Das klassische Experiment
Im berühmten Experiment von Kahneman und Tversky drehten Teilnehmer ein Glücksrad (das tatsächlich auf die Zahlen 10 oder 65 programmiert war) und schätzten dann den Prozentsatz der afrikanischen Länder in der UNO. Diejenigen, die die Zahl 65 erhielten, gaben deutlich höhere Schätzungen ab als jene mit der Zahl 10. Das Glücksrad und Afrika haben nichts miteinander zu tun — dennoch wirkte der Anker.
Wie Anchoring beim Investieren funktioniert
An den Finanzmärkten begegnen Sie Anchoring täglich:
- Kaufkurs als Anker: „Ich habe für 500 CZK gekauft, jetzt sind es 350 CZK, das ist günstig." Der Markt weiß aber nichts von Ihren 500 CZK. Die Frage ist, ob 350 CZK heute attraktiv ist.
- Historisches Hoch als Anker: „Ich kaufe nicht, weil es 40 % unter dem Hoch liegt." Oder umgekehrt: „Ich verkaufe nicht 40 % unter dem Hoch, ich warte auf die Erholung." In beiden Fällen verzerrt der Anker die Entscheidung.
- Runde Zahlen als Anker: Preise stoppen bei 100, 1.000, 10.000 — weil sie für viele Marktteilnehmer Anker sind.
Wie man sich gegen Anchoring wehrt
Der Schlüssel ist eine bewusste Umlenkung der Frage. Statt „Ist es günstiger als früher?" fragen Sie: „Ist dieser Vermögenswert zum aktuellen Preis im Vergleich zu seinen Fundamentaldaten attraktiv?" Konkrete Schritte:
- Decken Sie beim Bewerten einer Aktie den historischen Kursverlauf ab und schauen Sie sich die aktuellen Bewertungen an.
- Schreiben Sie Ihre Investitionsthese ohne Erwähnung des Kaufkurses oder historischen Hochs.
- Vergleichen Sie mit Peers statt mit der eigenen Geschichte des Vermögenswerts — vergleichende Analysen zeigen relativen, keinen absoluten Wert.
Anchoring und Indexinvestieren
Passive Anleger in Indexfonds sind gegenüber diesem Bias widerstandsfähiger — der Fonds selbst bewertet Gewichtungen und Zusammensetzung kontinuierlich neu. Es ist nicht notwendig zu entscheiden, ob Amazon „günstig oder teuer" im Verhältnis zu einem Ankerkurs ist. Die Vorteile des Indexinvestierens besprechen wir in aktiv vs. passiv.
Häufige Fragen
Was ist Anchoring in einfachen Worten?
Die Tendenz, der ersten Zahl in einer bestimmten Situation unverhältnismäßig viel Gewicht beizumessen. Beim Investieren ist das oft der Kaufkurs oder ein historisches Hoch, das dann jede weitere Entscheidung über die Position beeinflusst.
Warum ist der Kaufkurs ein schlechter Anker?
Weil der Markt darüber nichts weiß. Ein Wertpapier hat kein „Gedächtnis" daran, was Sie bezahlt haben. Die einzig relevante Frage ist, ob der Vermögenswert zum aktuellen Preis attraktiv ist — der historische Preis beantwortet das nicht.
Wie nutzen Verkäufer und Analysten Anchoring aus?
Sie zeigen bewusst einen hohen „Originalpreis" oder ein „Kursziel" des Analysten, um Ihre Wahrnehmung des aktuellen Preises zu beeinflussen. Das Kursziel eines Analysten ist nur ein weiterer Anker. Fragen Sie immer nach der Logik hinter der Zahl, nicht nur nach der Zahl selbst.