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Misbehaving – Wie aus der Verhaltensökonomik eine Wissenschaft wurde (Thaler): Rezension und wichtigste Erkenntnisse

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Das Wichtigste

Richard Thaler erhielt 2017 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für eine Arbeit, die mit einer einfachen Frage begann: Was ist, wenn Menschen irrational sind – und das auf vorhersehbare Weise? „Misbehaving" ist ein autobiografischer Streifzug durch diese Revolution im ökonomischen Denken – und für Investoren steckt es voller praktisch anwendbarer Erkenntnisse.

Worum es geht

Thaler beschreibt seine akademische Karriere als eine Reihe von Zusammenstößen mit der Mainstream-Ökonomie, die rationale, nutzenmaximierende Menschen voraussetzte. Thaler und seine Mitarbeiter – darunter Kahneman und Tversky – dokumentierten systematisch, wie echte Menschen tatsächlich entscheiden: irrational, inkonsistent, durch den Kontext beeinflusst. Das Ergebnis ist die Verhaltensökonomik, die heute Politik, Finanzen und Produktdesign beeinflusst.

Kerngedanken

Die wichtigste Erkenntnis: Die größten Feinde des Investors sind nicht die Märkte oder die Wirtschaft – es sind die eigenen kognitiven Abkürzungen. Mentale Buchführung, Besitzeffekt und Überbewertung des gegenwärtigen Moments führen zu systematisch schlechten Entscheidungen. Sie zu verstehen ist der erste Schritt zu ihrer Überwindung.

Für wen es geeignet ist

Für jeden Investor, der verstehen möchte, warum er Fehler macht – und sie nicht nur benennen will. Thaler schreibt zugänglich und mit Sinn für Humor. Das Buch ist auf Deutsch erhältlich und liest sich gut. Es baut gut auf dem Verständnis von Risiko aus psychologischer Perspektive auf.

Was Sie erwartet (und Schwächen)

Das Buch ist zum Teil autobiografisch – Thaler beschreibt akademische Karrierekämpfe und institutionellen Widerstand gegen die Verhaltensökonomik. Leser, die rein praktische Ratschläge suchen, könnten diese Passagen langweilig finden. Die praktische Umsetzung konkreter Nudges wird im Buch nur am Rande erwähnt. Als Erklärung dafür, warum Investoren Fehler machen, ist Thaler neben Kahneman jedoch eine Pflichtlektüre.

Häufige Fragen

Was ist mentale Buchführung und warum schadet sie dem Investor?

Thaler stellte fest, dass Menschen mit Geld unterschiedlich umgehen, je nachdem, woher es stammt oder wofür es mental vorgesehen ist – obwohl Geld fungibel ist. Ein Investor, der den Erlös einer gewinnbringend verkauften Aktie anders ausgibt als sein Gehalt, ist Opfer mentaler Buchführung. Das Ergebnis sind irrationale Entscheidungen über die Geldallokation.

Sind Nudges Manipulation?

Thaler geht offen auf diese Frage ein. Ein Nudge ist kein Befehl und kein Verbot – es ist die Gestaltung einer Umgebung, damit die Standardwahl zu einem besseren Ergebnis führt. Man kann jederzeit anders wählen. Thaler und Sunstein nennen diesen Ansatz libertären Paternalismus – die Wahlfreiheit bleibt bestehen, aber der Standardweg ist der bessere.

Wie baut Thaler auf Kahneman auf?

Kahneman beschrieb kognitive Systeme und Verzerrungen im Allgemeinen. Thaler wendete diese Erkenntnisse speziell auf Wirtschaft und Finanzen an – wie reale Irrationalität Märkte, Preise und finanzielle Entscheidungen beeinflusst. Beide Bücher ergänzen sich hervorragend und bilden gemeinsam das Fundament der Verhaltensökonomik.

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