Strategie
Wie man Aktien, Anleihen und Bargeld kombiniert: Asset Allocation im Zeitverlauf
Das Wichtigste
- Die Asset Allocation bestimmt das Rendite- und Risikoprofil eines Portfolios mehr als die Auswahl bestimmter Fonds.
- Im jungen Alter ist ein höherer Aktienanteil sinnvoll — Zeit kompensiert Volatilität.
- Je näher ein Ziel oder die Rente rückt, desto konservativer wird die Allokation — der Aktienanteil sinkt.
- Bargeld und kurzfristige Anleihen dienen als Sicherheitspolster und als Quelle für Entnahmen.
- Rebalancing bringt das Portfolio zur Zielallokation zurück und bedeutet: teuer verkaufen, günstig nachkaufen.
Die Asset Allocation — der Anteil von Aktien, Anleihen und Bargeld im Portfolio — ist eine der wichtigsten Entscheidungen für jeden Anleger und beeinflusst die Ergebnisse stärker als die Auswahl bestimmter Fonds.
Warum die Mischung wichtiger ist als die Auswahl
Die berühmte Studie von Brinson, Hood und Beebower aus dem Jahr 1986 zeigte, dass rund 90 % der Variabilität von Portfoliorenditen durch die Asset Allocation erklärt werden können — nicht durch Stockpicking oder Timing. Mit anderen Worten: die Entscheidung „wie viel in Aktien und wie viel in Anleihen" ist wichtiger als die Frage „welche konkreten Aktien."
Der Lebenszyklus der Allokation: von aggressiv zu konservativ
Der klassische Ansatz besagt: In der Jugend mehr Aktien halten, weil Zeit die Volatilität kompensiert. Mit nahendem Rentenalter den Aktienanteil reduzieren und Stabilisatoren erhöhen. Die vereinfachte Regel „110 minus Alter = % in Aktien" ist ein Richtwert — moderne Berechnungen arbeiten mit längeren Horizonten und höherer individueller Risikobereitschaft.
- 20–35 Jahre: 80–100 % Aktien, minimale Anleihen.
- 35–50 Jahre: 70–80 % Aktien, 20–30 % Anleihen/Sonstiges.
- 50–65 Jahre: 50–70 % Aktien, Rest Anleihen und Bargeld.
- 65+ Jahre: abhängig von der Gesamtsituation — nicht alles muss konservativ werden.
Die Rolle von Anleihen im Portfolio
Anleihen reduzieren die Portfoliovolatilität und dienten historisch als Gegengewicht bei Aktienrückgängen. In einem höheren Zinsumfeld bieten sie auch attraktive direkte Renditen. Das Portfoliorisiko lässt sich genau über ihren Anteil steuern.
Bargeld: nicht nur untätige Gelder
Bargeld (oder Geldmarktfonds) im Portfolio erfüllt drei Funktionen: Liquidität für unerwartete Ausgaben, eine Quelle für regelmäßige Entnahmen in der Rentenphase und ein psychologisches Polster, das Sie daran hindert, Aktien in einem Kurseinbruch panisch zu verkaufen. Ein kleiner Bargeldanteil kann paradoxerweise das Gesamtverhalten des Portfolios verbessern, indem er den emotionalen Druck reduziert.
Häufige Fragen
Welcher Aktienanteil ist richtig?
Das hängt von Alter, Horizont, Einkommen und psychischer Belastbarkeit gegenüber Volatilität ab. Im Allgemeinen kann ein jüngerer Anleger einen höheren Aktienanteil halten. Die Faustregel „110 minus Alter = % in Aktien" ist ein Ausgangspunkt, kein Dogma.
Warum das Portfolio rebalancieren?
Weil Aktien nach einem starken Kursanstieg einen höheren Anteil ausmachen als ursprünglich geplant — das Portfolio ist riskanter als Ihrem Profil entspricht. Rebalancing stellt die Allokation auf das Ziel ein und verkauft dabei automatisch das Teurere und kauft das Günstigere nach.
Welche Rolle spielt Bargeld im Portfolio?
Bargeld erfüllt drei Funktionen: Es stellt Liquidität für Ausgaben bereit, dient als Quelle für Entnahmen in der Rentenphase und verhindert psychologisch Panik beim Aktienrückgang. Selbst ein kleiner Bargeldanteil kann das Anlegerverhalten in Krisenzeiten verbessern.