Strategie
Market Timing: Warum es fast niemand schafft
Das Wichtigste
- Market Timing bedeutet den Versuch, bei Tiefständen zu kaufen und bei Hochständen zu verkaufen — statistisch gesehen gelingt das auch Profis immer wieder nicht.
- DALBAR-Studien zeigen, dass der durchschnittliche Anleger dem Index genau wegen schlechten Timings bei Ein- und Ausstiegen deutlich hinterherhinkt.
- Das Verpassen der zehn besten Tage über 20 Jahre kann die Portfoliorendite halbieren.
- Eine passive Buy-and-Hold-Strategie übertrifft aktives Timing für die große Mehrheit der Anleger langfristig.
- Wenn Sie überhaupt timen wollen, beschränken Sie sich auf das natürliche Nachkaufen bei Kursrückgängen — nicht auf Spekulationen über Hochpunkte.
Market Timing ist der Versuch, Vermögenswerte kurz vor ihrem Anstieg zu kaufen und kurz vor ihrem Fall zu verkaufen — die Theorie klingt verlockend, aber die Praxis ist hart: Die überwiegende Mehrheit der Anleger und professionellen Manager schafft es langfristig nicht.
Was die Daten sagen
Die jährliche DALBAR-Studie vergleicht die Rendite des Durchschnittsanlegers mit der Rendite des S&P 500-Index. Das Ergebnis ist konsistent: Der Durchschnittsanleger liegt jährlich 3–5 Prozentpunkte hinter dem Index. Hauptursache? Schlechtes Timing — Menschen kaufen nach einer Rallye (aus Begeisterung) und verkaufen nach einem Rückgang (aus Angst).
Ähnlich zeigt die S&P Dow Jones-Forschung, dass über 80% der aktiv verwalteten Fonds dem Index auf einem 15-Jahres-Horizont hinterherhinken. Professionelle Manager mit ganzen Analystenteams treffen den Markt nicht systematisch.
Das Problem der verpassten besten Tage
Die besten Markttage konzentrieren sich rund um die größten Krisen — sie kommen unerwartet direkt nach den schlimmsten Tagen. Ein Anleger, der in der Krise verkauft hat und auf „Beruhigung" wartet, verpasst diese Tage in der Regel. S&P 500-Daten zeigen: Das Verpassen der 10 besten Tage über 20 Jahre reduziert die durchschnittliche Jahresrendite um etwa 50%.
Warum das Gehirn Timing liebt
Das menschliche Gehirn wurde evolutionär auf kurzfristige Risiken ausgerichtet. Einen Portfoliorückgang zu sehen und nicht zu handeln fühlt sich gefährlich an. Aber an den Investitionsmärkten ist die beste Aktion oft Untätigkeit. Das ist das Fundament von Buy and Hold.
Was statt Timing zu tun ist
- Regelmäßige Investitionen unabhängig von Nachrichten — DCA-Strategie
- Natürliches Nachkaufen bei deutlichen Kursrückgängen (kein Spekulieren auf den Tiefpunkt)
- Langer Anlagehorizont, bei dem kurzfristige Schwankungen kein Gewicht haben
- Diversifizierte globale ETFs, bei denen Sie keine Gewinner auswählen müssen
Häufige Fragen
Warum funktioniert Market Timing nicht?
Die besten Markttage kommen unerwartet direkt nach den schlimmsten Tagen. Wer in der Krise verkauft, verpasst diese Tage. Außerdem müssen Sie zweimal richtig liegen — beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg — und das gelingt auch Profis immer wieder nicht.
Was ist die DALBAR-Studie?
Eine jährliche Analyse, die die Renditen des durchschnittlichen amerikanischen Anlegers mit dem S&P 500-Index vergleicht. Sie zeigt konsequent, dass Anleger dem Index wegen schlechten Timings um 3–5 Prozentpunkte jährlich hinterherhinken.
Gibt es Situationen, in denen Timing sinnvoll ist?
Natürliches Nachkaufen bei deutlichen Kursrückgängen ist als Teil einer DCA- oder Buy-and-Hold-Strategie sinnvoll. Spekulationen auf genaue Hochpunkte und Tiefpunkte bringen jedoch keine konsistenten Ergebnisse.
Wie schützt man sich vor Timing-Fehlern?
Richten Sie einen Dauerauftrag für regelmäßige ETF-Käufe ein und prüfen Sie das Portfolio nicht täglich. Je weniger Möglichkeiten für eine emotionale Entscheidung, desto weniger schlechte Timing-Fehler werden Sie machen.