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Telekommunikation: Hohe Dividenden, hohe Schulden, träges Wachstum — warum und wie man sie hält

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Das Wichtigste

AT&T bot einst eine Dividendenrendite von über 7 %. Dann kürzte das Unternehmen 2022 die Dividende um rund 50 %, und die Aktie verlor über fünf Jahre hinweg erheblich an Wert. Für Anleger, die AT&T als „Dividendenmaschine" gekauft hatten, war das ein kalter Schauer. Die AT&T-Geschichte ist eigentlich die beste Einführung darin, wie man über Telekommunikation richtig nachdenkt.

Warum Telekommunikationsunternehmen sich nicht wie andere Versorger verhalten

Telekommunikationsunternehmen ähneln auf den ersten Blick Versorgern (Strom, Wasser): reguliert, vorhersehbare Aboeinnahmen, hohe Dividenden. Doch sie haben eine entscheidende Zusatzeigenschaft — sie müssen massiv in Infrastruktur investieren, die veraltet. Ein Stromnetz aus dem Jahr 1970 funktioniert noch heute. Ein Mobilfunknetz aus dem Jahr 2000 reicht heute nicht mehr aus.

Der Aufbau von 5G-Netzen kostete AT&T und Verizon Dutzende von Milliarden Dollar. Dazu kommen historische Medienakquisitionen (AT&T kaufte DirecTV, dann Time Warner), die die versprochenen Synergien nicht brachten und stattdessen Schulden angehäuft haben. Das Ergebnis: Unternehmen mit enormen Schulden, minimalem Wachstum und unter Druck stehenden Dividenden.

AT&T und Verizon: Ein amerikanisches Duopol mit Grenzen

AT&T (T) ist nach 2022 ein vereinfachtes Unternehmen — es hat sich vom Mediensegment (Warner Bros. Discovery) getrennt, die Dividende gekürzt und fokussiert sich auf das Kerngeschäft Telekommunikation. Die Schulden bleiben hoch, aber das Unternehmen weist stabile operative Cashflows aus mobilen und Breitbanddiensten aus. Die Dividendenrendite liegt heute bei rund 6–7 %, doch die Erfahrungen der Anleger sind eine Warnung.

Verizon (VZ) hat ein reineres Telekommunikationsprofil beibehalten — es hat keine Medienakquisitionen im gleichen Umfang getätigt. Die Dividende ist stabiler, aber auch Verizon wächst nicht schnell. Der amerikanische Mobilfunkmarkt ist gesättigt, und der Wettbewerb ist hauptsächlich ein Preiskrieg mit T-Mobile.

Schulden als ständiger Begleiter: Sowohl Verizon als auch AT&T tragen Nettoverschuldungen in Milliardenhöhe. Bei steigenden Zinsen erhöhen sich die Refinanzierungskosten. Das Unternehmen steht dann vor der Wahl: Schulden abbauen oder Dividende aufrechterhalten. AT&T entschied sich 2022 für eine Dividendenkürzung. Eine hohe Dividendenrendite bei Telekommunikationsunternehmen darf nie ohne den Schuldenkontext gelesen werden.

Deutsche Telekom: Europas Ausnahme dank T-Mobile US

Deutsche Telekom (DTE) ist eine interessante Ausnahme im Telekommunikationssektor. Sie hält eine Mehrheitsbeteiligung an T-Mobile US, dem am schnellsten wachsenden amerikanischen Mobilfunkanbieter. Diese Beteiligung verleiht der Deutschen Telekom ein Profil, das sich von anderen europäischen Telekommunikationsunternehmen unterscheidet.

Das deutsche und europäische Telekommunikationsgeschäft ist für sich genommen weniger spannend — regulierter Markt, Preisdruck, 5G-Investitionen. Aber T-Mobile US hat eine Wachstumskomponente hinzugefügt, die das Risikoprofil des gesamten Unternehmens verändert. Für Anleger, die in Europa Telekommunikationsexposure suchen, ist die Deutsche Telekom eine sinnvollere Wahl als British Telecom oder Telefónica.

Kleinere und mittlere Telekommunikationsunternehmen: Eine andere Gleichung

Jenseits des amerikanischen und deutschen Markts gibt es interessante Chancen in Schwellenländern, wo die Mobilfunkdurchdringung noch wächst. MTN Group (Afrika), América Móvil (Lateinamerika, kontrolliert von Carlos Slim) oder Bharti Airtel (Indien) sind eine andere Art von Telekommunikationsinvestition — höheres Wachstum, aber höheres politisches und Währungsrisiko.

Für mittelfristige Anleger sind diese Namen als Ergänzung zu entwickelten Märkten interessant, nicht als primäre Telekommunikationswette.

Wann Telekommunikationsunternehmen Sinn ergeben

Telekommunikationsunternehmen eignen sich als defensive Portfoliokomponente für Anleger mit mittlerem oder kürzerem Zeithorizont, die relative Krisenresistenz und einen stetigen Ertrag suchen. Sie sind nicht als primäre Wachstumskomponente geeignet, noch für Wiederanleger, die auf den Zinseszinseffekt von Aktien setzen — der Sektor hat historisch hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben.

Sektoren im Portfolio erfüllen immer eine bestimmte Rolle. Mehr zur ETF-Auswahl für konkrete Ziele finden Sie im ETF-Leitfaden. Dies ist keine Anlageberatung; Dividenden sind nicht garantiert, und vergangene Performance sagt nichts über die Zukunft aus.

5G und Schulden: Warum Infrastrukturinvestitionen keinen Aktionärswert schaffen

Der Aufbau von 5G-Netzen wurde als historische Chance für den Telekommunikationssektor dargestellt — neue Marktchancen, IoT, autonome Fahrzeuge, Industrie 4.0. Für Aktionäre hat sich 5G jedoch als ein durch Schulden finanziertes Investitionsprojekt mit unsicherer Rendite erwiesen.

AT&T gab 2021 über 23 Milliarden Dollar für 5G-Frequenzen bei Auktionen aus. Verizon über 45 Milliarden. Dazu kommen die Kosten für den eigentlichen Netzausbau. Die Gesamtkosten des amerikanischen 5G-Rollouts belaufen sich auf Hunderte von Milliarden Dollar. Bisher gibt es jedoch keine Killeranwendung, die disproportional höhere Einnahmen generieren würde. Kunden zahlen für 5G geringfügig mehr als für 4G — aber bei Weitem nicht genug, um die Investitionen mit einer vertretbaren Rendite zu decken.

Dies ist das grundlegende Problem der Telekommunikation als Investitionsobjekt: Unternehmen müssen massiv in Infrastruktur investieren, die Kunden einen marginalen Mehrwert bietet, für den sie keine Prämienpreise zahlen wollen. Das Ergebnis ist Verschuldung ohne einen entsprechenden Einnahmenmotor.

Mobile Payments und Telekommunikation als Fintech: Eine nicht erfüllte These

Vor zehn Jahren wurde diskutiert, ob Telekommunikationsunternehmen zu Finanzakteuren werden würden — mobile Zahlungen, digitales Banking, Treueprogramme. In Afrika funktionierte das (Safaricoms M-Pesa ist ein Phänomen). In Europa und den USA übernahmen Apple Pay, Google Pay und traditionelle Banking-Apps diese These. Telekommunikationsunternehmen blieben Rohre — wertvolle Infrastruktur, aber ohne Kontrolle über die Anwendungsschicht, in der Margen entstehen. Das begrenzt ihr Wachstumspotenzial in entwickelten Märkten strukturell und erklärt, warum Anleger Plattformunternehmen gegenüber Netzbetreibern bevorzugen.

Marktkonsolidierung und Satelliten-Breitband: Eine neue Bedrohung?

Starlink und andere Satelliten-Breitbandprojekte (Amazon Kuiper, OneWeb) bedrohen das terrestrische Telekommunikationsgeschäft in dünn besiedelten Regionen und dort, wo Glasfaserinfrastruktur fehlt. In dicht besiedelten Städten ist Glasfaser noch deutlich leistungsfähiger und günstiger. Aber die Geografie des Telekommunikationsmarkts verändert sich — einige Kunden, die heute ländliches Breitband bei Telekommunikationsunternehmen beziehen, werden zu Satelliten wechseln.

Die Sättigung entwickelter Märkte in Kombination mit diesem Wettbewerb durch Satelliteninternet gibt dem Telekommunikationssektor begrenzte Skalierbarkeit. Dividenden und stabiler Cashflow bleiben attraktive Merkmale für den konservativen Teil eines Portfolios — aber Anleger dürfen von Telekommunikationsunternehmen kein technologisches Wachstum oder Kursgewinne erwarten. Man kauft Stabilität und Rendite, kein Wachstum.

Telekommunikation im deutschen Privatanlegerportfolio

Für europäische Anleger sind Telekommunikationsunternehmen entweder über amerikanische Aktien (AT&T, Verizon über Broker mit NYSE-Zugang) oder über europäische ETFs auf den Kommunikationssektor zugänglich. Kommunikations-ETFs wie iShares MSCI World Communication Services enthalten auch Meta, Alphabet und Netflix — das ist kein reines Telekommunikationsprodukt. Wer eine reine dividendenorientierte Telekommunikationsexposure wünscht, wählt eher Einzelaktien oder speziellere Produkte. Telekommunikation macht rund 2–3 % des MSCI World aus — wer mehr möchte, muss die Allokation bewusst über diese implizite Gewichtung hinaus erhöhen.

Häufige Fragen

Warum hat AT&T 2022 die Dividende gekürzt?

AT&T hat sein Mediensegment (Warner Bros. Discovery) abgespalten und im Rahmen der Restrukturierung die Jahresdividende um rund die Hälfte gekürzt. Ziel war die Schuldenreduzierung und eine Fokussierung auf das Kerngeschäft Telekommunikation. Dieser Fall verdeutlicht, dass eine hohe Dividendenrendite bei Telekommunikationsunternehmen nie ohne Analyse der Schulden bewertet werden darf.

Ist T-Mobile eine bessere Investition als AT&T oder Verizon?

T-Mobile US wächst schneller als beide Wettbewerber und hat bessere Kundenzufriedenheitswerte. Es wird jedoch zu deutlich höheren Bewertungsmultiplikatoren gehandelt und zahlt keine hohen Dividenden. Es ist eine Wachstums-und-Qualitäts-Geschichte im Telekommunikationssektor — ein anderes Profil als das klassische renditeorientierte AT&T.

Gibt es ein Telekommunikations-ETF für UCITS-Anleger?

Ja. Der iShares MSCI World Communication Services UCITS ETF deckt den globalen Kommunikationssektor einschließlich Telekommunikation und Medientechnologie ab. Hinweis: Ein erheblicher Teil dieses ETF entfällt auf Meta, Alphabet und Netflix — es handelt sich nicht um ein reines Telekommunikationsprodukt. Der Kommunikationssektor ist breiter definiert.

Welche Sektoren haben die höchsten Dividenden?

Traditionell Versorger, Immobilienfonds (REITs), Energie und Telekommunikation. Die Renditen liegen zwischen 3 % und 7 % und mehr. Aber jeder Sektor trägt spezifische Risiken — eine hohe Rendite ist nie ohne Grund.

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