Strategie
Anlagehorizont und wie man die Strategie danach wählt
Das Wichtigste
- Der Anlagehorizont bestimmt, wie viel Volatilität das Portfolio sich leisten kann — und damit die optimale Allokation.
- Ein kurzer Horizont (unter 5 Jahren) erfordert einen konservativeren Ansatz: Anleihen, Sparprodukte, Geldmarkt.
- Ein langer Horizont (10+ Jahre) ermöglicht volle Aktienrenditen und absorbiert auch deutliche Rückgänge.
- Der Horizont verändert sich im Laufe des Lebens — die Allokation muss entsprechend aktualisiert werden.
- Fehler Nummer eins: zu konservative Allokation bei langem Horizont aus Angst vor kurzfristiger Volatilität.
Der Anlagehorizont ist die Dauer, über die Sie planen, Geld ohne Auszahlungsbedarf arbeiten zu lassen — und er ist wahrscheinlich der wichtigste Parameter der gesamten Anlagestrategie.
Warum der Horizont entscheidet
Aktien sind kurzfristig sehr volatil — der S&P 500 kann innerhalb eines Jahres um 30–40 % fallen. Auf einem 15–20-Jahres-Horizont hat er historisch jedoch keine negative Rendite verzeichnet. Zeit ist der größte Risikodämpfer. Wenn Sie das Geld in 3 Jahren brauchen, können Sie es sich nicht leisten, auf eine Erholung nach einem Einbruch zu warten.
Wie der Horizont die Allokation beeinflusst
- Unter 3 Jahren: Geldmarkt, kurzfristige Anleihen, Sparprodukte. Aktien sind ein inakzeptables Risiko.
- 3–7 Jahre: Ausgewogenes Portfolio 40–60 % Aktien / Rest Anleihen. Aktien ja, aber mit Puffer.
- 7–15 Jahre: Aktienanteil 70–80 %. Bei diesem Horizont sinkt die Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite stark.
- 15+ Jahre: 90–100 % Aktien. Volatilität ist Ihr Freund — sie erlaubt günstigere Käufe und der Zinseszins arbeitet auf vollen Touren.
Der Horizont verändert sich
Mit 30 Jahren haben Sie für Rentenersparnisse einen 35-jährigen Horizont. Mit 55 verkürzt er sich auf 10 Jahre — und es ist Zeit, den Aktienanteil schrittweise zu reduzieren. Die „100 minus Alter"-Regel (Aktienanteil in %) ist ein grobes, aber intuitiv verständliches Orientierungsraster für den Anfang.
Vorsicht vor gemischten Horizonten
Viele Menschen mischen Geld mit unterschiedlichen Horizonten in einem einzigen Portfolio: Urlaubssparen (1 Jahr), Auto (5 Jahre) und Rente (30 Jahre) im selben Fonds. Jedes Ziel sollte eine eigene, seinem Horizont entsprechende Allokation haben. Wie man ein Portfolio nach Zielen aufbaut, erklärt der Artikel über das erste Portfolio. Zur Orientierung über verfügbare Instrumente dient die ETF-Übersicht.
Häufige Fragen
Was ist ein Anlagehorizont?
Die Dauer, über die Sie planen, Geld investiert zu lassen, ohne es abzuheben. Es ist der Schlüsselparameter für die Bestimmung der optimalen Vermögensallokation und des akzeptablen Volatilitätsniveaus.
Wie langen Horizont brauche ich für Aktien?
Mindestens 7–10 Jahre, damit das Risiko einer negativen Rendite akzeptabel ist. Auf einem 15–20-Jahres-Horizont hat der S&P 500 historisch keine negative Rendite verzeichnet. Ein kürzerer Horizont erfordert einen konservativeren Ansatz.
Was ist die 100-minus-Alter-Regel?
Ein einfaches Allokationsraster: Ziehen Sie Ihr Alter von 100 ab — das Ergebnis ist der empfohlene Aktienanteil im Portfolio. Mit 30 Jahren: 70 % Aktien. Mit 60 Jahren: 40 % Aktien. Sie dient nur als Orientierungsrahmen, nicht als Dogma.
Sollte ich ein Portfolio für alle Ziele haben?
Idealerweise nicht. Jedes Ziel mit einem anderen Horizont sollte eine eigene Allokation haben. Geld für einen Urlaub nächstes Jahr gehört auf ein Sparkonto. Geld für die Rente in 30 Jahren gehört in Aktien. Die Vermischung beeinträchtigt beides.