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Wie erkennen Sie, ob eine Aktie teuer oder günstig ist: KGV, KUV und Bewertung Schritt für Schritt
Das Wichtigste
- Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) gibt an, wie viel Sie für einen Euro des Jahresgewinns eines Unternehmens bezahlen — je niedriger, desto günstiger kaufen Sie den Gewinn.
- Das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) ist nützlich für Unternehmen ohne Gewinn oder bei Vergleichen innerhalb einer Branche.
- Die Bewertung allein bestimmt nicht, wann eine Aktie steigt — eine günstige Aktie kann zu Recht günstig sein (Value Trap).
- Vergleichen Sie immer innerhalb derselben Branche: Das KGV eines Technologieunternehmens und einer Bank sind nicht vergleichbar.
- Das absolute KGV-Niveau reicht nicht aus — beobachten Sie auch den historischen Durchschnitt des Unternehmens und den Branchenkontext.
Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist die am häufigsten verwendete Kennzahl zur Aktienbewertung — es sagt Ihnen, wie viel Sie für jeden Euro Jahresgewinn des Unternehmens bezahlen. Zusammen mit dem KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) ergibt sich eine schnelle Orientierung, ob sich eine Aktie im „teuren" oder „günstigen" Bereich befindet.
Wie liest man das KGV?
Die Formel ist einfach: KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie (EPS). Wenn der Aktienkurs 50 € beträgt und der Jahresgewinn je Aktie 2,50 €, ist das KGV 20. Das bedeutet: Sie zahlen 20 Euro für jeden Euro Jahresgewinn. Der historische Durchschnitt des S&P 500 liegt bei etwa 16–17. In den letzten Jahren hat er sich bei 20–22 bewegt, getrieben von Technologieunternehmen im Index.
- KGV unter 10 → Markt bewertet das Unternehmen günstig (oder zweifelt am Gewinn)
- KGV 15–20 → historisch „durchschnittliches" Band für den Aktienmarkt
- KGV über 30 → Markt erwartet hohes Wachstum oder zahlt für eine Prestigemarke
Wann das KUV verwenden?
KUV = Aktienkurs / Umsatz je Aktie. Das KUV ist nützlich, wenn ein Unternehmen noch keinen Gewinn hat — typischerweise schnell wachsende Technologieunternehmen oder Unternehmen nach dem Börsengang. Sie vergleichen, wie viel Sie für jeden Euro Umsatz bezahlen. Nachteil: Es ignoriert die Rentabilität — ein Unternehmen mit hohem Umsatz, aber enormen Verlusten kann ein niedriges KUV haben und trotzdem eine schlechte Investition sein.
Value Trap: die günstige Aktie, die günstig bleibt
Ein niedriges KGV bedeutet nicht automatisch eine Chance. Eine Value Trap ist eine Situation, in der ein Unternehmen zu Recht günstig ist — schrumpfendes Geschäft, strukturelle Probleme, drohende Insolvenz. Kodak hatte vor seinem Zusammenbruch ein sehr niedriges KGV. Fügen Sie daher zur KGV-Analyse immer die Frage hinzu: Warum ist das Unternehmen so bewertet? Ist der Grund vorübergehend (ein schlechtes Quartal) oder strukturell (eine sterbende Branche)?
Wo finden Sie die Zahlen kostenlos?
Aktuelle KGV- und KUV-Werte finden Sie kostenlos auf Seiten wie Macrotrends, Yahoo Finance oder direkt in der Aktiendetailseite Ihres Brokers. Für Branchenvergleiche bietet Finviz nützlichen Kontext. Möchten Sie die Bewertung eines bestimmten ETF vergleichen? Gehen Sie zur ETF-Übersicht oder nutzen Sie den Bereich Unternehmensanalysen.
Häufige Fragen
Welches KGV ist „gut"?
Es hängt vom Sektor und dem historischen Kontext ab. Der historische Durchschnitt des S&P 500 liegt bei etwa 16–17. Technologie tendiert zu höheren Werten; Banken und Versorger zu niedrigeren. Ein gutes KGV ist eines, das unter dem historischen Durchschnitt des Unternehmens oder des Sektors liegt — keine absolute Zahl.
Warum ist das KUV für Startups besser als das KGV?
Startups haben keinen Gewinn (EPS ist negativ oder null), sodass das KGV nicht sinnvoll berechnet werden kann. Das KUV vergleicht die Marktkapitalisierung mit dem Umsatz — diese Zahlen sind immer positiv und ermöglichen zumindest einen grundlegenden Vergleich innerhalb des Sektors.
Was ist das Forward-KGV?
Das Forward-KGV verwendet den geschätzten Gewinn des nächsten Jahres statt des historischen Gewinns. Es ist optimistisch, weil Analystenprognosen systematisch zu hoch ausfallen. Es lohnt sich als Ergänzung zu verfolgen, nicht als primäre Kennzahl.